Peter Liese, der Europäischen Parlaments leitender Verhandlungsführer bei der Reform des Emissionshandels, hat einen Kompromiss skizziert, der den Anwendungsbereich der von der Europäischen Kommission vorgeschlagenen Investitionsverpflichtungen erheblich verengen würde. Anstatt verpflichtende Investitionsanforderungen an alle kostenlosen CO2-Zertifikate zu knüpfen, schlägt Liese vor, diese auf zusätzliche Zertifikate zu beschränken, die ab 2031 ausgegeben werden.
Der Vorschlag kommt wenige Wochen, nachdem die Europäische Kommission ihre ETS-Überarbeitung vorgestellt hatte, am 17. Juli 2026. Die Lobbyarbeit der Industrie intensivierte sich sofort: energieintensive Sektoren argumentierten, der ursprüngliche Plan stelle eine übermäßige regulatorische Einmischung in unternehmerische Investitionsentscheidungen dar.
Liese sagte dem Handelsblatt, er erwäge, den Ansatz der Kommission abzumildern. Seine Position hat Gewicht, weil er als Berichterstatter die parlamentarischen Verhandlungen mit dem Rat und der Kommission über den endgültigen Gesetzestext führen wird, bevor die nächste Handelsperiode beginnt.
Der ursprüngliche Vorschlag der Kommission und die Reaktion der Industrie
Nach dem Kommissionsvorschlag vom Juli hätten Unternehmen, die kostenlose CO2-Zertifikate im Rahmen des Emissionshandelssystems erhalten, verpflichtende Investitionsanforderungen für all ihre Zertifikate erfüllen müssen. Die Absicht war, sicherzustellen, dass kostenlose Zertifikate direkt die Dekarbonisierung unterstützen, statt lediglich die Wettbewerbsfähigkeit zu schützen.
Industrievertreter bezeichneten den Plan umgehend als staatliche Investitionslenkung. Chemische Produzenten und Stahlhersteller argumentierten, sie stünden bereits unter ausreichendem Druck durch steigende CO2-Preise, ohne dass zusätzliche Bedingungen an ihre kostenlosen Zuteilungen geknüpft würden. Die Sorge reicht über Deutschland hinaus zu Herstellern in der gesamten EU, die mit Produzenten in Rechtsordnungen mit schwächeren Klimavorschriften konkurrieren.
Der Zeitpunkt der Gegenwehr spiegelt echte Besorgnis über die Handelsperiode 2031 wider. Unternehmen brauchen Jahre im Voraus Planungssicherheit über ihre Kostenstrukturen, um Kapitalinvestitionen in Öfen, Chemieanlagen und Produktionslinien zu planen, die jahrzehntelang betrieben werden.
Lieses Kompromiss zielt nur auf zusätzliche Zertifikate ab
Die Alternative des Berichterstatters würde Investitionsverpflichtungen nur auf zusätzliche kostenlose Zertifikate anwenden, die ab Beginn der nächsten ETS-Handelsperiode 2031 ausgegeben werden. Die bestehenden Basis-Zuteilungen blieben von den neuen Anforderungen unberührt.
Diese Unterscheidung hat kommerzielle Bedeutung. Unternehmen kennen ihre Basis-Zuteilungen auf Grundlage historischer Produktionsdaten. Zusätzliche kostenlose Zertifikate würden neue Unterstützung über das hinaus darstellen, was sie derzeit erhalten. Die Investitionsbedingungen nur an diesen inkrementellen Teil zu knüpfen, verringert die regulatorische Belastung bestehender Betriebe, während die Dekarbonisierungsziele der Kommission weiter vorangetrieben werden.
Lieses Position spiegelt die Rolle des Parlaments als Vermittler zwischen den Ambitionen der Kommission und den Bedenken der Mitgliedstaaten wider. Deutschlands verarbeitendes Gewerbe, vertreten durch Unternehmen wie Krupp-Mannesmann, hat sich besonders lautstark für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit während der Energiewende eingesetzt.
ETS-Leistung seit der Einführung
Das Emissionshandelssystem hat seit seinem Start messbare Ergebnisse geliefert. Die vom ETS erfassten Sektoren haben ihre Emissionen im Vergleich zu den Basiswerten um 50 % reduziert. Diese Bilanz liefert beiden Seiten Argumente: Die Kommission kann auf die Wirksamkeit des Systems verweisen, die Industrie kann argumentieren, weitere Verschärfungen riskierten, das zu untergraben, was bereits funktioniert.
Die Zahl von 50 % Reduktion stammt von den Industrieanlagen selbst. Hüttenwerke Krupp-Mannesmann in Duisburg führte diese Statistik an, als es um die Auswirkungen des Systems auf die Stahlproduktion ging. Die Daten deuten darauf hin, dass der ETS wie vorgesehen funktioniert hat, ohne die nun diskutierten Investitionsverpflichtungen.
Verhandlungsdynamik zwischen den Institutionen
Als Berichterstatter nimmt Liese eine Schlüsselposition im Legislativprozess ein. Er wird die Verhandlungsposition des Parlaments formen, bevor Trilog-Gespräche mit Rat und Kommission beginnen. Seine öffentliche Signalisierung einer Kompromissposition deutet darauf hin, dass das Parlament einen Mittelweg suchen könnte, statt den vollständigen Kommissionsvorschlag zu unterstützen.
Das Europäische Parlament hat historisch ambitionierte Positionen in der Klimagesetzgebung eingenommen, doch wirtschaftliche Druck nach der Energiekrise haben die Abgeordneten für industrielle Wettbewerbsfähigkeitssorgen sensibilisiert. Lieses CDU-Zugehörigkeit spielt ebenfalls eine Rolle: Deutsche Konservative balancieren Klimaziele typischerweise mit dem Schutz der Industrie.
Erwähnte Personen
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Peter Liese
Organisationen
European Commission · European Parliament · CDU