Die Alternative für Deutschland (AfD) erreichte bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 43,8 Prozent der Stimmen, ihr bisher stärkstes Ergebnis auf Länderebene. Die Partei verfehlte die absolute Mehrheit im 83 Sitze zählenden Landtag, was Koalitionsverhandlungen erforderlich macht. Die Wahl hat jedoch bereits die Aufmerksamkeit auf einen ungewöhnlichen Teil des AfD-Programms gelenkt: den Vorstoß, Bitcoin zu den nationalen Reserven Deutschlands hinzuzufügen.
Die AfD bezeichnet sich als die kryptofreundlichste große Partei Deutschlands. Ihr Bundesprogramm fordert eine "weitreichende Deregulierung" von Bitcoin, Kryptowährungs-Wallets und dem Handel mit digitalen Vermögenswerten. Parteivertreter argumentieren, dass Aufsichtsbehörden übermäßig vorsichtig agierten und Bitcoin als spekulative Kuriosität statt als legitimes Finanzinstrument behandelten.
Bitcoin als strategisches Reservevermögen
Im Oktober 2025 brachten AfD-Abgeordnete einen Antrag im Bundestag ein, der die Regierung aufforderte, Bitcoin als strategischen Vermögenswert anzuerkennen, der als Absicherung gegen monetäre Instabilität in den Währungsreserven Deutschlands gehalten werden könnte. Der Antrag blieb erfolglos. Das Ergebnis in Sachsen-Anhalt stellt sicher, dass die Idee nicht stillschweigend zu den Akten gelegt wird.
Das Argument beruht auf der Prämisse, dass Zentralbanken und Finanzministerien Bitcoin ebenso wie Gold, Fremdwährungen und Sonderziehungsrechte als Instrument behandeln sollten, das seinen Wert bewahrt, wenn Fiat-Währungen ins Wanken geraten. El Salvador führte Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel ein. Die Schweizer Zentralbank stand im Inland unter Druck, digitale Vermögenswerte zu halten. Doch keine große europäische Volkswirtschaft hat den Schritt unternommen, den die AfD vorschlägt.
Deutschlands Reserven werden von der Bundesbank verwaltet und bestehen hauptsächlich aus Gold, Devisen und Forderungen gegenüber dem Internationalen Währungsfonds. Die Hinzufügung von Bitcoin würde einen scharfen Bruch mit den Grundsätzen der Reserveverwaltung bei der Bundesbank darstellen, die Liquidität und Kapitalerhalt gegenüber spekulativen Renditen priorisiert.
Ablehnung des digitalen Euros, Verteidigung des Bargelds
Das Eintreten der AfD für Kryptowährungen geht einher mit ihrer Feindseligkeit gegenüber dem Projekt des digitalen Euros der Europäischen Zentralbank. Die EZB entwickelt eine digitale Zentralbankwährung als Ergänzung zum physischen Bargeld. Die AfD will davon nichts wissen. Die Partei hat gefordert, das Recht der Bürger auf Bargeldnutzung direkt im deutschen Grundgesetz zu verankern, und positioniert sich so als Verteidiger der finanziellen Privatsphäre gegen staatliche Überwachung.
Diese Haltung greift eine tiefe Strömung in der deutschen öffentlichen Meinung auf. Deutsche führen einen höheren Anteil ihrer Transaktionen in Bargeld durch als die Bürger der meisten anderen Eurozonen-Länder, und Misstrauen gegenüber digitalem Bezahlen sowie der staatlichen Überwachung von Finanzströmen ist weit verbreitet. Die AfD ist nicht allein, wenn sie diese Bedenken äußert, aber sie ist die prominenteste Partei, die die Bewahrung des Bargelds mit der Deregulierung von Kryptowährungen verknüpft.
MiCA und die Frage der Dezentralisierung
Über Reserven und den digitalen Euro hinaus hat sich die AfD für eine mildere Behandlung von Bitcoin unter der EU-Verordnung über Märkte für Krypto-Vermögenswerte, bekannt als MiCA, eingesetzt. Die Partei argumentiert, dass MiCA in erster Linie für zentral herausgegebene Token wie Stablecoins konzipiert wurde und für wirklich dezentrale Vermögenswerte wie Bitcoin ungeeignet ist. Der Bitcoin Bundesverband, eine deutsche Vereinigung, die Krypto-Gesetzgebung beobachtet, hat sich dieser Sichtweise angeschlossen.
Die Debatte ist nicht rein deutsch. Polen hat drei erfolglose Versuche unternommen, einen innerstaatlichen Regulierungsrahmen zu verabschieden, der den MiCA-Standards entspricht, was darauf hindeutet, dass der Einheitsansatz der Verordnung in der gesamten Union Reibung erzeugt. Die MiCA, die Ende 2024 in der gesamten EU in vollem Umfang in Kraft trat, etabliert ein paneuropäisches Lizenzsystem für Kryptowährungsunternehmen, aber ihre Anwendung auf dezentrale Vermögenswerte bleibt umstritten.
Bei der Besteuerung hat die AfD gelegentlich Gemeinsamkeiten mit anderen Parteien gefunden. Deutschlands Finanzausschuss lehnte zuvor einen Vorschlag der Grünen ab, die Steuerbefreiung für länger als ein Jahr gehaltene Bitcoins abzuschaffen. Die AfD möchte diese Befreiung beibehalten.
Die Koalitionsbrandmauer
Trotz ihres Wahlschwungs sieht sich die Krypto-Agenda der AfD denselben Barrieren gegenüber wie jeder andere Teil ihres Programms. Die etablierten Parteien in Deutschland bleiben auf Bundesebene kategorisch dagegen, eine Koalition mit der AfD zu bilden. Der Cordon sanitaire bedeutet, dass AfD-Vorschläge zu Kryptowährungen, so detailliert sie auch sein mögen, Diskussionspapiere bleiben und keine Gesetzentwürfe sind.
In Sachsen-Anhalt ist die Situation im Fluss, aber nicht weniger begrenzt. Die 43,8 Prozent der AfD bedeuten ein deutliches Defizit gegenüber einer Regierungsmehrheit, und ihr Spitzenkandidat Ulrich Sigmund hat gesagt, dass er Neuwahlen einer Führung einer Minderheitsregierung vorziehen würde. "Dies ist ein Signal für ganz Deutschland, ein Signal des Selbstbewusstseins", sagte Sigmund über das Ergebnis. Ob andere Parteien im Land ohne die AfD eine funktionsfähige Koalition bilden können, bleibt ungelöst.
Eine unerwünschte Assoziation für die EZB
Die Wahl in Sachsen-Anhalt verändert weder die deutsche noch die europäische Kryptowährungsregulierung. Die AfD kann ihre Agenda aus der Opposition heraus nicht umsetzen, und keine Partei ist bereit, ihr bei der Regierungsbildung zu helfen. Was das Ergebnis jedoch verändert, ist die Lautstärke der Debatte. Eine Partei, die bei einer Landtagswahl 43,8 Prozent erreicht, kann nicht als Randstimme abgetan werden, auch wenn ihre politischen Vorschläge außerhalb des Mainstreams bleiben.
Für die EZB schaffen die beiden Positionen der AfD eine unangenehme Assoziation. Die Zentralbank hat daran gearbeitet, den digitalen Euro als neutrales Finanzinfrastrukturelement darzustellen, nicht als Überwachungsinstrument. Dass die prominenteste rechtsextreme Partei des Landes die lauteste parlamentarische Stimme gegen das Projekt ist, erschwert diese Erzählung, insbesondere in einem Land, in dem die Bargeldnutzung bereits ein sensibles politisches Thema ist.
Erwähnte Personen
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Ulrich Sigmund
Organisationen
Alternative for Germany · European Central Bank · Bitcoin Bundesverband