Koordinierte Sabotageangriffe auf das deutsche Stromübertragungsnetz nahmen in den ersten Septembertagen 2026 rund 4.200 Megawatt Kohleverstromungskapazität vorübergehend vom Netz. Trotz des Ausmaßes der Unterbrechung blieb das Landesnetz stabil, die Haushaltsversorgung wurde nicht unterbrochen. Die Vorfälle zeigen Schwachstellen der physischen Infrastruktur auf, die bestehen bleiben, während der digitalen Sicherheit große Aufmerksamkeit zuteilwird.
Amprion bestätigte einen Vorfall, der Kraftwerkseinspeiseleitungen betraf und zu Anlagenausfällen bei RWE Power führte. Der Betreiber nahm fünf Braunkohleblöcke in Neurath und Niederaußem nach den Störungen vom Netz. Zum Zeitpunkt des Vorfalls speisten diese Blöcke rund 3.000 Megawatt ins Netz ein. Die Differenz zwischen installierter Leistung und tatsächlicher Einspeisung spiegelt normale betriebliche Schwankungen wider.
Mechanik der Unterbrechung
Die Angriffe ereigneten sich am 1. und 2. September 2026 in zwei Bundesländern. Bestätigte Treffer gab es am brandenburgischen Standort Turnow-Preilack nahe dem Braunkohlekraftwerk Jänschwalde. Ein zweiter Vorfall traf das Amprion-Umspannwerk Rommerskirchen im Rhein-Erft-Kreis in Nordrhein-Westfalen. Die Täter nutzten selbstgebaute Abschussvorrichtungen, um Drähte auf Hochspannungsanlagen zu schleudern.
Diese Methode kommt ohne Sprengstoff aus und erzielt dennoch vergleichbare Störungen. Über Umspannwerke geworfene leitende Drähte verursachen Kurzschlüsse, die automatische Sicherheitsmechanismen auslösen. Das Netz ist darauf ausgelegt, Störungen rasch zu isolieren, um Kaskadenausfälle zu verhindern. In diesem Fall funktionierten die Schutzsysteme wie vorgesehen: Sie trennten die betroffenen Abschnitte vom übergeordneten Netz, um die Gesamtstabilität zu wahren.
Netzresilienz unter Druck
Die allgemeine Stromversorgung blieb in beiden Fällen stabil. Die im europäischen Übertragungsnetz angelegte Redundanz ermöglichte es anderen Erzeugern, den ausgefallenen Output auszugleichen, ohne dass Notabschaltungen nötig waren. Das Ergebnis belegt die Robustheit der heutigen Netztopologie gegenüber plötzlichen Erzeugungsausfällen. Zugleich offenbart es die Abhängigkeit von automatischen Systemen, um physische Angriffe auf kritische Knoten zu beherrschen.
Sicherheitsexperten weisen darauf hin, dass Low-Tech-Bedrohungen High-Tech-Abwehrmaßnahmen oft umgehen. Die physische Umzäunung von Umspannwerken variiert je nach Standort und Betreiber. Der Einsatz simpler Wurfvorrichtungen legt nahe, dass die Angreifer die Infrastruktur ausgekundschaftet haben, um Schwachstellen zu finden. Energiesicherheitskonzepte fokussieren meist auf Diversifizierung der Versorgung, doch die physische Härtung ist für die Systemintegrität ebenso entscheidend.
Betroffene Anlagen und Wiederinbetriebnahme
RWE Power betreibt die betroffenen Braunkohleblöcke in Nordrhein-Westfalen. Neurath und Niederaußem zählen zu den größten Kohlekraftwerken Europas. Zwei Blöcke, namentlich Neurath G und Niederaußem H, waren bis zum Morgen des 2. September wieder am Netz. Diese beiden Blöcke stellen zusammen rund 1.600 Megawatt Leistung. Die vollständige Wiederinbetriebnahme der übrigen Blöcke hing von den Schadensbewertungen in den Umspannwerken ab.
Der Zeitpunkt der Angriffe fällt mit der laufenden Debatte um Netzresilienz und Erneuerbaren-Integration in Deutschland zusammen. Da die Kohlekapazität gemäß nationalen Klimazielen abgebaut wird, gewinnen die verbleibenden Anlagen für die Grundlast an Bedeutung. Der Ausfall von 3.000 Megawatt tatsächlicher Einspeisung stellt einen erheblichen Schock dar, vergleichbar mit der Leistung mehrerer großer Offshore-Windparks bei Volllast.
Folgen für die Infrastrukturpolitik
Die Vorfälle verdeutlichen die Schwierigkeit, verteilte Infrastruktur zu schützen. Hochspannungs-Umspannwerke beanspruchen große Flächen und lassen sich gegen Wurfgeschosse nicht einfach abriegeln. Betreiber müssen Sicherheitskosten und Betriebsbudgets abwägen. Regulatorische Vorgaben schreiben oft Zuverlässigkeitsstandards vor, überlassen konkrete Sicherheitsmaßnahmen jedoch dem Ermessen der Unternehmen. Diese Lücke könnte einer Revision bedürfen, sollten solche Angriffe zunehmen.
Polizeiliche Ermittlungen zur Identifizierung der Täter dauern an. Die Koordination, zwei weit voneinander entfernte Standorte binnen 24 Stunden anzugreifen, deutet auf organisierte Planung hin. Behörden werten solche Taten als ernste Bedrohung der öffentlichen Sicherheit. Die Energiewirtschaft arbeitet eng mit Sicherheitsbehörden zusammen, um Erkenntnisse über potenzielle Ziele auszutauschen. Künftige Investitionen könnten physische Barrieren neben digitalen Überwachungssystemen priorisieren.
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