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Euro rutscht ab, da Märkte EZB-Zinserhöhung gegen Nahost-Spannungen abwägen

Die Gemeinschaftswährung fiel auf 1,1660 $, obwohl ein Reuters-Bericht besagt, dass die Währungshüter bereit sind, den Einlagenzins im September auf 2,50 % anzuheben, da Dollarstärke und Safe-Haven-Flüsse dominieren.

By , Europa-Korrespondentin

Published

8 min read

Der Euro setzte seinen Rückgang gegenüber dem Dollar im europäischen Handel am Mittwoch fort, rutschte auf 1,1660 $ von einem Eröffnungsniveau von 1,1674 $ ab und machte den marginalen Vortagesgewinn wieder wett. Die Bewegung kam, obwohl ein Reuters-Bericht, der sich auf drei namentlich nicht genannte Währungshüter beruft, anzeigte, dass die Europäische Zentralbank sich darauf vorbereitet, ihren Einlagenzins auf ihrer Sitzung am 9. und 10. September um einen Viertelpunkt anzuheben. Unter normalen Umständen stützt ein erwarteter Straffungszyklus eine Währung. Diesmal reagierte die Gemeinschaftswährung kaum, bevor sie ihren Abwärtstrend fortsetzte.

Was der Reuters-Bericht tatsächlich sagt

Den Quellen der Agentur zufolge, die unter der Bedingung der Anonymität sprachen, da die Gespräche vertraulich sind, glauben die EZB-Währungshüter, dass der Zeitpunkt für eine weitere Erhöhung gekommen ist. Die Inflation liegt bei rund 3 %, der Iran-Konflikt bedroht weiterhin die Energieversorgung, und die Wirtschaft des Euroraums zeigt genügend Widerstandskraft, um höhere Kreditkosten zu verkraften. Die Erhöhung von 2,25 % auf 2,50 % war bereits in den Annahmen enthalten, die den EZB-Prognosen vom Juni zugrunde lagen. Die Quellen betonten, dass der Schritt wahrscheinlich Entschlossenheit signalisieren soll, eine Wiederholung des Inflationsschubs nach 2022 zu vermeiden, statt die Tür für einen anhaltenden Straffungszyklus zu öffnen.

Genau dieser Punkt ist entscheidend. Die EZB hob im Juni erstmals seit fast drei Jahren die Zinsen an und beendete damit eine lange Pause, die 2019 begonnen hatte. Damals war die Entscheidung durch den Energieschock nach Russlands Invasion der Ukraine getrieben. Nun, da der Iran-Krieg eine frische geopolitische Risikoschicht hinzufügt, steht die Zentralbank vor einem vertrauten Dilemma: straffen, um Erwartungen zu verankern, aber nicht so aggressiv, dass die Erholung abgewürgt wird. Die Quellen sagten, die Währungshüter würden ein klareres Bild haben, wenn die August-Inflationsdaten nächste Woche veröffentlicht werden, gefolgt von aktualisierten Mitarbeiterprognosen auf der September-Sitzung.

Geldmärkte bewegen sich, aber der Euro folgt nicht

Die unmittelbare Marktreaktion war messbar. Overnight-Index-Swaps verschoben die implizite Wahrscheinlichkeit einer 25-Basispunkte-Erhöhung im September von 50 % auf 75 %. Das ist eine signifikante Neubewertung in einer einzigen Sitzung. Doch der Euro konnte davon nicht profitieren. Ein Grund ist, dass die Neubewertung lediglich Erwartungen vorwegnahm, die sich seit Juni aufgebaut hatten. Ein anderer ist, dass die Dollar-Seite des Paares einer eigenen Dynamik folgt. Der US-Dollar-Index stieg um 0,1 %, da die Renditen langfristiger US-Staatsanleihen kletterten, was erneute Wetten widerspiegelt, dass die Federal Reserve in diesem Jahr noch die Zinsen anheben könnte. Der PCE-Bericht für Juli und die BIP-Zahlen für das zweite Quartal, beide am Mittwoch fällig, werden diese Wetten auf die Probe stellen.

Auch die Safe-Haven-Nachfrage nach dem Dollar ist ein Faktor. Der Iran-Konflikt, der militärisch derzeit deeskaliert, nachdem die USA sich für Sanktionen statt Schläge entschieden haben, bleibt eine Quelle der Unsicherheit. Die Ölpreise fielen am Dienstag um mehr als 3 % auf die Nachricht hin, aber die Risikoprämie ist nicht verschwunden. In Phasen geopolitischer Spannungen profitiert der Dollar tendenziell unabhängig von Zinsdifferenzen. Der Euro hingegen gilt als stärker exponiert gegenüber energiebedingten Schocks aus dem Nahen Osten, angesichts Europas Importabhängigkeit.

Die Iran-Variable

Der Quelltext spricht von einem "Iran-Krieg" und "Iran-Konflikt" als Treiber sowohl der EZB-Überlegungen als auch der Marktstimmung. Das ist ein bemerkenswerter Sprachwandel. Seit der Invasion der Ukraine 2022 reagieren europäische Währungshüter äußerst sensibel auf energiegetriebene Inflation. Die Iran-Situation, welchen genauen militärischen Status sie auch haben mag, droht, Öl- und Gaspreise volatil zu halten. Die EZB-Prognosen vom Juni gingen von einem bestimmten Energiepreispfad aus. Sollte der Konflikt Versorgungsrouten durch die Straße von Hormus stören, könnten diese Annahmen hinfällig werden.

Die US-Entscheidung, wirtschaftliche Sanktionen statt militärischer Schläge zu verfolgen, milderte die unmittelbaren Versorgungsängste, daher der Ölpreisrückgang. Aber Sanktionen brauchen Zeit, um zu wirken, und können eigene Marktverzerrungen erzeugen. Europäische Politiker werden beobachten, ob iranisches Rohöl alternative Käufer findet, zu welchem Abschlag, und ob OPEC+ reagiert. Die EZB-Prognosen für September müssen eine Reihe von Szenarien einbeziehen, nicht nur ein einziges Basisszenario.

Inflationsdaten und die September-Entscheidung

Die nächste Schnellschätzung für die Euroraum-Inflation, die in der ersten Septemberwoche fällig ist, wird der letzte harte Datenpunkt vor der Ratssitzung sein. Die Gesamtinflation verharrt hartnäckig bei rund 3 %, deutlich über dem 2 %-Ziel. Die Kerninflation, die Energie und Nahrungsmittel ausklammert, ist langsamer gesunken. Das Lohnwachstum, eine weitere Schlüsselkennzahl für die EZB, ist in mehreren großen Volkswirtschaften robust geblieben. Die von Reuters zitierten Quellen merkten an, dass die Euroraum-Wirtschaft "Anzeichen von Widerstandskraft" zeige, eine Formulierung, die in der Zentralbankersprache oft bedeutet, das Wachstum sei stark genug, um höhere Zinsen zu verkraften.

Aber Widerstandskraft ist ein relatives Konzept. Der Euroraum wuchs im ersten Quartal 2026 um 0,3 % und im zweiten um 0,2 %, nach vorläufigen Schätzungen von Eurostat. Das ist kein Boom. Die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe schrumpfen seit Monaten. Der Dienstleistungssektor hat sich gehalten, aber das Verbrauchervertrauen bleibt fragil. Eine Zinserhöhung im September würde den Einlagenzins auf den höchsten Stand seit der Finanzkrise bringen. Die Transmissionsverzögerung bedeutet, dass die volle Wirkung der Juni-Erhöhung noch nicht in den Kreditbedingungen angekommen ist. Ein weiterer Viertelpunkt jetzt hinzuzufügen, ist eine Ermessensentscheidung, keine mechanische Reaktion auf Daten.

Dollarstärke und der Fed-Joker

Das Euro-Dollar-Paar ist letztlich ein relatives Spiel. Die Federal Reserve hat ihren Leitzins seit Juli 2023 bei 5,25, 5,50 % belassen. Märkte haben wiederholt Zinssenkungen eingepreist, nur um sie wieder hinauszuschieben, da sich die US-Inflation als hartnäckiger erwies als erwartet. Der am Mittwoch fällige PCE-Bericht ist das bevorzugte Inflationsmaß der Fed. Eine heiße Zahl würde Zinserhöhungswetten für die Fed-Sitzungen im September oder November wiederbeleben und die Zinslücke zum Euroraum vergrößern. Selbst wenn die EZB erhöht, würde eine gleichzeitige Fed-Erhöhung, oder eine verzögerte Fed-Senkung, Euro-Gewinne begrenzen.

Das US-BIP für das zweite Quartal, ebenfalls am Mittwoch fällig, fügt eine weitere Schicht hinzu. Das GDPNow-Modell der Atlanta Fed signalisiert zuletzt ein annualisiertes Wachstum von rund 2,5 %, was darauf hindeutet, dass die US-Wirtschaft auf solidem Fundament steht. Starkes Wachstum bei klebriger Inflation ist das klassische Rezept für eine hawkische Fed. Europäische Anleger wissen das. Das Ausbleiben eines Euro-Anstiegs auf die EZB-Nachricht spiegelt einen Markt wider, der gelernt hat, Zentralbanken nicht isoliert vorwegzunehmen.

Was die EZB-Juni-Erhöhung tatsächlich bewirkte

Es lohnt sich, in Erinnerung zu rufen, was nach der Juni-Erhöhung geschah. Die EZB hob den Einlagenzins von 2,00 % auf 2,25 %, ihre erste Bewegung seit 2019. Der Euro stärkte sich zunächst, erreichte im frühen August ein Dreimonatshoch über 1,17 $. Doch der Anstieg verflachte, als US-Daten positiv überraschten und Nahost-Spannungen aufflammten. Bankkreditumfragen zeigten, dass die Kreditvergabestandards sich weiter verschärften, die Kreditnachfrage der Unternehmen aber schwach blieb. Die Realwirtschaftsauswirkungen entfalten sich noch. Die eigenen Modelle der EZB legen nahe, dass Geldpolitik mit einer Verzögerung von 12 bis 18 Monaten wirkt. Nach diesem Maßstab wird die Juni-Erhöhung erst Mitte 2027 voll durchschlagen.

Diese Verzögerung ist zentral für die September-Debatte. Falken argumentieren, dass Politik vorausschauend sein muss: wenn die Inflation für 2025 und 2026 über dem Ziel projiziert wird, riskiert Warten die Verankerung der Erwartungen. Tauben halten dagegen, dass die Verzögerung bedeutet, dass vergangene Erhöhungen noch durchwirken, und übermäßige Straffung asymmetrische Risiken birgt. Die Reuters-Quellen deuten an, dass die Falken derzeit die Oberhand haben, aber die Entscheidung noch nicht feststeht.

Sources

  1. Economies.com

    economies.com · 2026-08-26

Organisations

European Central Bank · Reuters · Federal Reserve

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