Die Alternative für Deutschland (AfD) kam am Sonntag in Sachsen-Anhalt auf 44 Prozent der Stimmen, mehr als doppelt so viel wie 2021, und erzielte damit das beste Ergebnis für eine rechtsextreme Partei bei einer Landtagswahl in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Wahlbeteiligung erreichte Rekordniveaus. Dennoch verfehlte die Partei die absolute Mehrheit, was sie von einem Koalitionspartner abhängig macht, der unter Deutschlands langjähriger Brandmauer nicht existiert.

Ein Ergebnis, das das Nachkriegsmuster durchbricht

Seit 1945 hat in Deutschland keine rechtsextreme Partei ein Regierungsamt inne. Die Brandmauer, eine informelle, aber starre Vereinbarung zwischen CDU, SPD, Grünen, FDP und Linkspartei, die AfD aus jeder Koalition auszuschließen, hält seit einem Jahrzehnt. Das Ergebnis vom Sonntag bricht sie nicht arithmetisch; die AfD kann nicht allein regieren. Es bricht jedoch die politische Annahme, dass die Brandmauer die AfD auf unbestimmte Zeit eindämmen kann. Der Landesverband der AfD in Sachsen-Anhalt wird vom Bundesamt für Verfassungsschutz, dem deutschen Inlandsgeheimdienst, offiziell als rechtsextremistische Organisation eingestuft, unter Verweis auf "zahlreiche antimuslimische, rassistische und antisemitische Äußerungen". Diese Einstufung macht eine Zusammenarbeit verfassungsrechtlich problematisch, dennoch wählten 44 Prozent der Wähler im Bundesland die AfD.

Nicht nur ein ostdeutsches Problem

Analysten haben die AfD lange als ostdeutsches Phänomen betrachtet, verwurzelt in der wirtschaftlichen Desintegration nach der Wiedervereinigung und einer geringeren Einwanderung. Die Daten stützen diesen Trost nicht mehr. Bei der Bundestagswahl 2025 wurde die AfD in Wahlkreisen in westlichen Bundesländern, darunter Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, Zweite. Seitdem hat fast jede bundesweite Umfrage die AfD auf den ersten Platz gesetzt, vor der CDU, der SPD und den Grünen. Eine hypothetische Koalition aus Deutschlands drei traditionellen Regierungsparteien würde sich nun schwer tun, eine Bundestagsmehrheit auf sich zu vereinigen. Das Ergebnis aus Sachsen-Anhalt ist die bislang deutlichste Bestätigung dafür, dass der Zuspruch zur AfD nun bundesweit ist.

Merz' Wette und ihre Konsequenzen

Kanzler Friedrich Merz übernahm den CDU-Vorsitz mit dem Versprechen, Wähler zurückzugewinnen, die zur AfD abgewandert waren, indem er härtere Positionen zu Migration, Identität und europäischer Integration einnahm. Die Strategie ist nach hinten losgegangen. Eine Nachwahlbefragung in Sachsen-Anhalt ergab, dass 88 Prozent der Befragten glaubten, dass eine bessere Politik der Bundesregierung unter Merz die AfD im Bundesland geschwächt hätte. Anstatt das Reservoir der AfD auszutrocknen, hat die Rechtsverschiebung der CDU das Vokabular und die Prioritäten der extremen Rechten legitimiert, was es der AfD ermöglicht, sich als authentische Version dessen darzustellen, was die CDU nun nur noch imitiert. Einige konservative Wähler, die vom Kurs der CDU entfremdet wurden, sind weiter nach rechts gerückt, anstatt in die Mitte zurückzukehren.

Die Arithmetik des Ausschlusses

Das Verhältniswahlrecht in Deutschland macht Mehrheitsregierungen selten. Die Brandmauer funktioniert nur, solange die Nicht-AfD-Parteien ohne die AfD eine Mehrheit zusammenstellen können. Diese Arithmetik wird enger. In Sachsen-Anhalt halten CDU, SPD, Grüne, FDP und Linkspartei zusammen eine Mehrheit, aber ihre inhaltlichen Unterschiede, etwa bei Energie, Migration und Haushaltsregeln, machen eine stabile Koalition schwierig. Auf Bundesebene droht dieselbe Fragmentierung. Wenn die AfD in bundesweiten Umfragen stabil über 30 Prozent bleibt, sinkt die Zahl der mathematisch möglichen Koalitionen ohne sie gegen null. Die Brandmauer wird dann zu einer Wahl zwischen einer Regierung mit der AfD oder gar keiner Regierung.

Was die Zahlen verbergen

Der Stimmenanteil allein erfasst den institutionellen Vormarsch der AfD nicht. Die Partei stellt nun das Amt des Landrats in mehreren ostdeutschen Landkreisen, kontrolliert wichtige Ausschussvorsitze in Landesparlamenten und hat einen professionellen parlamentarischen Apparat aufgebaut, der mit den etablierten Parteien rivalisiert. Ihre Jugendorganisation, die Junge Alternative, wird in mehreren Bundesländern als extremistisch eingestuft. Die Finanzierung der Partei, einst intransparent, fließt nun über dieselben öffentlichen Finanzierungsmechanismen wie bei ihren Konkurrenten, skaliert nach ihrem Stimmenanteil. Jede Wahl, die ihren Anteil ausbaut, vertieft ihre institutionelle Verankerung und macht einen künftigen Ausschluss in der Praxis schwieriger, selbst wenn die Brandmauer im Prinzip hält.

Die europäische Dimension

Deutschlands Partner schauen zu. Das Programm der AfD umfasst den Austritt aus dem Euro, ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft und ein Ende der Sanktionen gegen Russland. Eine deutsche Regierung mit der AfD oder ein deutsches Parlament, das durch die Arithmetik der Brandmauer gelähmt ist, würde den Schwerpunkt der EU verlagern. Die Europäische Kommission, die Europäische Zentralbank und die NATO arbeiten alle auf der Grundlage eines berechenbaren deutschen Ankers. Diese Annahme ist nun umstritten. Die Wahl in Sachsen-Anhalt war eine Landtagswahl; ihre Konsequenzen sind kontinental.

Kein einfacher Ausweg

SPD und Grüne argumentieren, dass soziale Investitionen und Klimapolitik die Unzufriedenheit adressieren, die der AfD Zulauf gibt. Die CDU beharrt darauf, dass nur eine strengere Migrationskontrolle und ein kultureller Konservatismus Wähler zurückgewinnen können. Beide Diagnosen können nicht richtig sein; beide könnten falsch sein. Der Aufstieg der AfD korreliert mit stagnierenden Reallöhnen, einem Wohnungsmangel und der Wahrnehmung, die im Osten am stärksten ist, aber in den Westen vordringt, dass die politische Klasse den Niedergang verwaltet, anstatt ihn umzukehren. Keine Partei hat bisher ein Narrativ angeboten, das wirtschaftliche Erneuerung mit demokratischer Erneuerung verbindet. Bis dies geschieht, steigt die Untergrenze für die AfD mit jeder Wahl.

Erwähnte Personen

  • Friedrich Merz

    Chancellor of Germany, Christian Democratic Union

  • Matt Fitzpatrick

    Professor of International History, Flinders University

Organisationen

Alternative for Germany · Christian Democratic Union · Social Democratic Party · Greens · Bundesamt für Verfassungsschutz