Vier amerikanische Weltraumunternehmen, SpaceX, Blue Origin, Stoke Space und Starcloud, haben den französischen Behörden am Donnerstag mitgeteilt, dass sie ihre Teilnahme an Präsident Emmanuel Macrons Weltraumgipfel in Paris am 9. und 10. September absagen, so ein Offizieller des französischen Weltraumministeriums. Die Absagen folgen auf einen Bericht von POLITICO, wonach die Trump-Administration US-Firmen gedrängt habe, fernzubleiben, und damit eine diplomatische Schau für europäische Weltraumautonomie in die neueste Arena transatlantischer Reibereien verwandelt.

Ein Gipfel für europäische Unabhängigkeit

Macron hatte die zweitägige Zusammenkunft einberufen, um zu demonstrieren, dass Frankreich und Europa glaubwürdige Weltraummächte mit eigenständiger Startkapazität und einem souveränen Satellitenkommunikationssystem sein können. Das Herzstück ist IRIS², die Multi-Orbit-Konstellation der EU für Konnektivität, die die Abhängigkeit von US-Anbietern wie Starlink verringern soll. Delegationen nationaler Regierungen, Weltraumagenturen, Industrie, Wissenschaft und Militär waren erwartet worden.

Druck aus dem Weißen Haus und der Boykott

"Vier amerikanische Unternehmen haben heute ihre Teilnahme am Weltraumgipfel abgesagt: Stoke Space, Starcloud, Blue Origin und SpaceX", teilte ein Offizieller des französischen Ministeriums POLITICO am 4. September per Textnachricht mit. Der Offizielle fügte hinzu: "Es ist schwer, keinen Zusammenhang mit den Gerüchten über Druck herzustellen, die in der Presse kursierten. Wir wollen offensichtlich weiterhin mit unseren amerikanischen Partnern und Verbündeten zusammenarbeiten, auch wenn strategische Verschiebungen und politischer Druck die Aufgabe manchmal unnötig komplex machen!" POLITICO hatte bereits früher in der Woche berichtet, das Weiße Haus lobe für einen Boykott.

EU Space Act und Frequenzstreit

Die Reibereien reichen vor den Gipfel zurück. Washington hat sich gegen den vorgeschlagenen EU Space Act der Europäischen Kommission ausgesprochen und argumentiert, er würde US-Unternehmen, die im Orbit operieren, EU-Regeln aufzwingen. Ein französisch-deutscher Vorstoß, mehr Mobilfunk-Satellitenfrequenzen an europäische Betreiber, einschließlich IRIS², zu vergeben, hat US-Offizielle weiter verärgert, die darin regulatorische Bevorzugung sehen. Für Brüssel, Paris und Berlin geht es darum, die totale Abhängigkeit von Starlink oder anderen US-Systemen zu vermeiden; für Washington sieht es aus wie ein weiterer Fall, in dem die EU Marktzugang nutzt, um europäische Champions auf Kosten amerikanischer Unternehmen aufzubauen.

Französische Offizielle spielen herunter, dann räumen sie den Schlag ein

Die französischen Behörden versuchten zunächst, die Bedrohung zu minimieren, und betonten, US-Unternehmen seien weiterhin willkommen. Sechs französische und industrievertreter sagten POLITICO, sie seien nicht überrascht von dem, was sie als klassische Trump-Taktik beschriebenen: multilaterale Initiativen zu torpedieren, während europäische Bemühungen blockiert werden, die Abhängigkeit von US-Firmen zu verringern. "Das ist so typisch für Trump", sagte ein Vertreter eines Weltraumunternehmens, der am Gipfel teilnimmt und anonym sprechen wollte. "Trump mag es, Europäer herabzuwürdigen … und noch mehr Macron, der irgendwie europäische 'Führungsrolle' verkörpert."

Europäische Diversifizierung beschleunigt sich

Mehrere Weltraum- und französische Offizielle argumentierten, der Boykott werde letztlich die europäischen Bemühungen beflügeln, Partnerschaften zu erweitern. "Der Silberstreif ist, dass wir unsere Partnerschaften weltweit diversifizieren, in unsere eigene Weltraumindustrie investieren. Es geht nicht um Entkopplung, sondern darum, was wir mit anderen Partnern erreichen können", sagte ein Weltraum-Offizieller. Französische Offizielle merkten zudem an, dass jede Lücke, die amerikanische Firmen hinterließen, von anderen gefüllt würde, und verwiesen auf die chinesische Teilnahme. Grudler, der französische Europaabgeordnete, der am EU Space Act mitarbeitete, formulierte es drastisch: "Wenn andere Akteure im Weltraumsektor eine kooperativere Haltung einnehmen, werden sie offensichtlich punkten. Ich sage nicht, dass das eine Lösung ist, aber die Wirkung von Herrn Trumps Laune war, dass die Chinesen oder andere sympathischer rüberkommen."

Begrenzte kurzfristige Auswirkungen werden argumentiert

Zwei Industrievertreter sagten POLITICO, die praktische Wirkung des Boykotts könne bescheiden sein. Die World Space Business Week, die eine Woche später in Paris beginnt, wird weiterhin große US-Akteure wie Starlink und Blue Origin umfassen. Auch andere amerikanische Unternehmen werden am Macron-Gipfel erwartet. Der Offizielle des französischen Ministeriums bestätigte, dass "andere US-Unternehmen teilnehmen werden", nannte aber keine Namen.

Was der Vorfall über transatlantische Weltraumbeziehungen verrät

Der Vorfall zeigt, wie der Weltraum zu einer Front im breiteren Handels- und Technologiewettbewerb geworden ist. Der EU Space Act, der noch verhandelt wird, zielt auf ein einheitliches Regelwerk für Sicherheit, Nachhaltigkeit und Cybersicherheit im Orbit ab. US-Industrieverbände argumentieren, er reguliere amerikanische Betreiber extraterritorial. Der Frequenzstreit bei der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) stellt europäische Ambitionen für IRIS² gegen etablierte US-Spektrumrechte. Beide Streitigkeiten nähren in Washington die Erzählung, Europa instrumentalisiere Regulierung; in Europa die Erzählung, strategische Autonomie erfordere regulatorische Souveränität.

Der Élysée-Palast und das französische Außenministerium lehnten eine Stellungnahme auf Anfrage ab. Der Vorfall lässt eine konkrete Frage offen: Ob die Abwesenheit der vier Unternehmen eine einmalige politische Geste ist oder der Beginn einer nachhaltigen US-Strategie, europäische Weltrauminitiativen zu isolieren. Die Antwort wird die kommerzielle und regulatorische Landschaft des Orbits für Jahre prägen.

Erwähnte Personen

  • Emmanuel Macron

    President of France, Élysée

  • Donald Trump

    President of the United States, White House

  • Christophe Grudler

    Member of the European Parliament, European Parliament

Organisationen

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