Die deutsche Polizei fahndet nach einem 48-jährigen Verdächtigen, Daniel V., im Zusammenhang mit fünf separaten Sabotageakten an Hochspannungsinfrastruktur, die zwischen Dienstag und Freitag vergangener Woche verübt wurden. Die Vorfälle erstreckten sich über Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen, wobei Sprengsätze, selbstgebaute Raketen und handschriftliche Bekennerschreiben alle Angriffe mit derselben Person in Verbindung bringen.

Die Fahndung verschärfte sich am Freitag, nachdem Beamte Sprengsätze in der Wohnung des Verdächtigen in Gevelsberg, Nordrhein-Westfalen, entdeckten. Ein Spezialeinsatzkommando durchsuchte später einen umgebauten Lkw in einem Wald bei Niederzier, rund 100 Kilometer entfernt, fand Daniel V. aber nicht. Die Polizei Köln bestätigte, dass die Fahndung bis in den Montagmorgen andauerte.

Was diesen Fall von gewöhnlichem Vandalismus unterscheidet, sind die Koordination und die ideologische Rahmung. Bekennerschreiben gingen bei mehreren Medien ein, auch bei dieser Publikation, in einem hieß es schlicht: Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt bezeichnete die Schriftgutachten als schlüssigen Beweis für Täterwissen.

Zeitlinie der Angriffe in drei Bundesländern

Der erste Vorfall ereignete sich am Dienstagvormittag im südlichen Brandenburg am Umspannwerk Turnow-Preilack nahe dem Kraftwerk Jänschwalde. Mehr als 20 selbstgebaute Raketen schossen leitendes Material in Richtung Hochspannungsleitungen und verursachten zwei Kurzschlüsse. Der Übertragungsnetzbetreiber meldete keinen flächendeckenden Stromausfall, doch das Netz erlitt Schäden.

Am selben Abend kam es zu Störungen an einem zweiten Umspannwerk in Bergheim bei Köln. Die Polizei fand Startvorrichtungen und Pyrotechnik am Tatort. RWE Power meldete, dass fünf Braunkohlekraftwerksblöcke in Niederaußem und Neurath vorübergehend vom Netz gingen. Die meisten kehrten schnell zurück, ein Block blieb jedoch bis zur Folgewoche abgeschaltet. Die allgemeine Stromversorgung war durchgehend gesichert.

Am Donnerstagabend führte ein Spaziergänger zur dritten Entdeckung, als er mutmaßliche Startvorrichtungen an einem Umspannwerk in Dormagen zwischen Köln und Düsseldorf bemerkte. Die Polizei durchsuchte am Freitag auf Hinweise aus den Bekennerschreiben hin das Gebiet um das Kraftwerk Weisweiler bei Aachen. Am selben Abend lief ein Großeinsatz der Polizei an einem ehemaligen Kraftwerksstandort in Hamm, obwohl die Anlage seit einiger Zeit außer Betrieb ist.

Geografisches Muster weist auf Braunkohlereviere hin

Die Zielauswahl ist nicht zufällig. Alle drei betroffenen Länder, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen, betreiben aktiven Braunkohletagebau und Kraftwerksbetrieb. Laut dem Branchenverband Debriv wird Braunkohle im Tagebau in Nordrhein-Westfalen, im südlichen Brandenburg, in Sachsen-Anhalt sowie in Ost- und Westsachsen weiter gefördert.

In Sachsen stellten Polizisten am Freitagabend vier Sprengsätze an zwei Standorten nördlich von Bautzen sicher. Innenminister Armin Schuster bestätigte, dass die Funde auf Informationen aus den Bekennerschreiben zurückgingen. Beamte verbrachten die Nacht mit der Spurensicherung an den Orten. Die Häufung der Vorfälle in der Nähe von Kohleinfrastruktur deutet darauf hin, dass der Täter die Ziele mit spezifischer ideologischer Absicht wählte und nicht aus opportunistischem Vandalismus.

Politische Reaktionen betonen Infrastrukturschutz

Landes- und Bundesminister werteten die Angriffe als Warnsignal für die Verwundbarkeit kritischer Infrastruktur. Herbert Reul, Innenminister von Nordrhein-Westfalen, argumentierte, dass stärkere rechtliche Befugnisse und moderne Technik nötig seien, um wesentliche Anlagen zu schützen. Er nannte Kameras, Sensoren und Alarmsysteme als notwendige Aufrüstungen.

Die Einstufung als kritische Infrastruktur umfasst Sektoren, deren Störung Versorgungsengpässe, Ausfälle der öffentlichen Sicherheit oder andere schwere Folgen nach sich ziehen könnte. Die Klassifizierung schließt Energie, Informationstechnik, Verkehr, Gesundheit, Wasser, Ernährung, Finanzen, Staatsverwaltung und Medien ein. Deutschlands Stromnetz fällt uneingeschränkt unter diese Definition, weshalb Angriffe auf Umspannwerke ein Thema der nationalen Sicherheit sind.

Übertragungsnetzbetreiber fordern Transparenzreform

Christoph Müller, Vorstandsvorsitzender von Amprion, einem von Deutschlands vier großen Übertragungsnetzbetreibern, argumentierte, dass die derzeitigen Transparenzvorgaben Angriffe unnötig erleichterten. Unternehmen müssten umfangreiche Daten zu Strom- und Gasnetzen online veröffentlichen, Informationen, die jedem bei der Planung von Sabotage helfen könnten, unabhängig von der Motivation.

Müller forderte gelockerte Transparenzregeln und die Erlaubnis für Unternehmen, regelmäßige Drohnenüberwachung von Stromleitungen durchzuführen. Er bat zudem um die Befugnis, Kameras zu betreiben, die nicht nur das Firmengelände, sondern auch das Umfeld überwachen. Amprions Übertragungsnetz umfasst rund 11.000 Kilometer Höchstspannungsleitungen in West- und Südwestdeutschland, was einen umfassenden physischen Schutz logistisch anspruchsvoll macht.

Erwähnte Personen

  • Daniel V.

    Suspect in power grid sabotage incidents, N/A

  • Alexander Dobrindt

    Federal Interior Minister, German Government

  • Herbert Reul

    Interior Minister of North-Rhine Westphalia, State Government NRW

  • Armin Schuster

    Interior Minister of Saxony, State Government Saxony

  • Christoph Müller

    Chief Executive, Amprion

Organisationen

RWE Power · Amprion · German Federal Police