International · EU-Außenpolitik
EU gerät unter Druck, Israel zu sanktionieren, da palästinensische Staatlichkeit in weitere Ferne rückt
Da jeder führende israelische Kandidat einen palästinensischen Staat ausschließt, sehen sich europäische Hauptstädte mit dem Scheitern einer Strategie konfrontiert, die auf technischen Reformen statt auf politischen Konsequenzen beruhte.
Die Zweistaatenlösung ist seit drei Jahrzehnten der erklärte Eckpfeiler der europäischen Nahostpolitik. Doch während Israel auf seine nächste Wahl zusteuert, unterstützt nicht ein einziger führender Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten, vom rechten Rand bis zum selbsternannten progressiven Lager, die Errichtung eines palästinensischen Staates. Dieser Konsens, der sich seit den letzten ernsthaften Verhandlungen 2008 verfestigt hat, lässt die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten mit einer Strategie zurück, die zunehmend an Krisenmanagement erinnert statt an Konfliktlösung.
Ein israelischer Konsens gegen Staatlichkeit
Der Quelltext nennt ein Spektrum israelischer Politiker, Benjamin Netanjahu, Gadi Eisenkot, Naftali Bennett, Bezalel Smotrich und Yair Golan, , die sich allesamt öffentlich gegen palästinensische Staatlichkeit ausgesprochen haben. Die Unterschiede zwischen ihnen betreffen die Methode, die Besatzung fortzusetzen: den Grad der Annexion, das Tempo der Siedlungsausweitung, die Toleranz gegenüber Siedlergewalt und die Frage, ob die Palästinensische Behörde als Sicherheitsunterauftragnehmer überleben darf. Für Palästinenser ist das Ergebnis identisch, egal wer gewinnt.
Eisenkot, ein ehemaliger Generalstabschef, der international oft als moderate Alternative zu Netanjahu dargestellt wird, hat einen palästinensischen Staat ausdrücklich ausgeschlossen. Golan, der als Anführer des progressiven zionistischen Lagers gilt, vertritt die gleiche Position. Smotrich fordert formale Annexion. Der Streit ist taktischer, nicht strategischer Natur. Das markiert einen Wandel gegenüber der Ära, als eine von der Arbeitspartei geführte Regierung zumindest auf Basis eines palästinensischen Staates verhandelte, während Siedlungen wuchsen.
Die Palästinensische Behörde zwischen Überleben und Souveränität gefangen
1994 unter den Oslo-Abkommen als fünfjährige Übergangsinstanz geschaffen, existiert die Palästinensische Behörde nun seit mehr als drei Jahrzehnten ohne den Staat, den sie hervorbringen sollte. Der Quelle zufolge wird die nächste israelische Regierung, egal welchen Zuschnitts, das ursprüngliche Mandat der PA voraussichtlich nicht akzeptieren. Bleibt die derzeitige Koalition, droht der PA gezielter Kollaps. Gewinnt die Opposition, mag die PA erhalten bleiben, aber nur als Partner für Sicherheitskoordination, ausdrücklich ausgeschlossen von der Verfolgung von Souveränität.
Dieses Dilemma ist in Ramallah vertraut. Die Formulierung „Anforderungen der aktuellen Phase“ dient dazu, unpopuläre Entscheidungen zu rechtfertigen, darunter Sicherheitskooperation mit Israel und die Unterdrückung von Dissens, im Austausch für Gebergelder, die die Verwaltung am Laufen halten. Die Quelle argumentiert, dass die Annahme dieser Rolle, das Überleben bei gleichzeitiger Konsolidierung israelischer Kontrolle, einem Aufgeben des Ziels nationaler Befreiung gleichkommt.
Reformen ohne politischen Horizont
Europäische und internationale Geber knüpfen finanzielle Unterstützung seit langem an institutionelle Reformen der Palästinenser. Die aktuelle Verwaltung hat einem neuen Programm „international verordneter Reformen“ zugestimmt, im Austausch für Ressourcen, die den israelischen Konsens gegen Staatlichkeit nicht überwinden können. Die Quelle argumentiert, diese Reformen seien weder palästinensisch initiiert noch darauf ausgelegt, die Besatzung zu beenden. Stattdessen fungierten sie als Konfliktmanagement-Instrumente, die Bedingungen an nationale Befreiung knüpfen, während Siedlungen im Westjordanland, einschließlich Ostjerusalem, weiter expandieren.
Dieses Muster ist nicht neu. Der institutionelle Aufbau unter Salam Fayyad zwischen 2007 und 2013, gelobt von der Weltbank und dem IWF, brachte messbare Verbesserungen in Governance und Haushaltsführung. Er änderte nichts an der Trajektorie israelischer Politik. Siedlungen wuchsen weiter. Die Besatzung vertiefte sich. Die Abraham-Abkommen, die Beziehungen zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten normalisierten, wurden als Friedensweg dargestellt. Die Quelle argumentiert, sie zementierten stattdessen den Status quo, indem sie demonstrierten, dass Israel regionale Integration genießen kann, ohne die Besatzung zu beenden.
Rechtliche Grundlagen verschieben sich unter dem politischen Stillstand
Zwei Entwicklungen haben die rechtliche Landschaft verändert. Der Internationale Gerichtshof gab 2024 ein Gutachten ab, das die israelische Besatzung des Westjordanlands und Ostjerusalems für illegal erklärte und ihre sofortige Beendigung forderte. Separate bekräftigte die New Yorker Erklärung, verabschiedet bei den Vereinten Nationen, die Zweistaatenlösung auf Basis der 1967er Grenzen als international vereinbarten Rahmen. Diese Instrumente liefern eine rechtliche Grundlage für konkrete Maßnahmen, Sanktionen, Handelsbeschränkungen, Verbot von Siedlungsprodukten, , die europäische Regierungen bisher nicht in nennenswertem Umfang umgesetzt haben.
Die Quelle argumentiert, die Kosten der Besatzung für Israel blieben niedriger als die Kosten ihrer Beendigung. Solange europäische Politik Sanktionen als Tabu behandelt und den Konflikt als technisches Problem palästinensischer Governance rahmt, ändert sich die Anreizstruktur für Israel nicht. Die Diskussion über Sanktionen ist in europäischen Parlamenten und der Öffentlichkeit nicht mehr tabu, doch die Kluft zwischen Diskurs und Handeln besteht fort.
Europäische Politik in der Sackgasse
Die offizielle Position der Europäischen Union bleibt die Unterstützung einer verhandelten Zweistaatenlösung auf Basis der 1967er Linien, mit Jerusalem als Hauptstadt beider Staaten. Die EU erkennt israelische Souveränität über die besetzten Gebiete nicht an. Sie kennzeichnet Siedlungsprodukte und schließt Siedlungen aus Forschungsförderabkommen aus. Doch sie hat umfassende Maßnahmen, vollständiges Verbot von Siedlungsgütern, Aussetzung der präferenziellen Handelsbedingungen des EU-Israel-Assoziierungsabkommens, Einschränkung militärischer Kooperation, , die der Besatzung materielle Kosten auferlegen würden, bisher unterlassen.
Mitgliedstaaten sind gespalten. Irland, Spanien, Belgien und Slowenien haben den Staat Palästina anerkannt und drängen auf stärkeres Vorgehen. Deutschland, Österreich, Ungarn und Tschechien widersetzen sich jedem Schritt, der als Delegitimierung Israels ausgelegt werden könnte. Die Europäische Kommission und der Hohe Vertreter für Außenpolitik agieren innerhalb der Einstimmigkeitserfordernis im Rat. Das Ergebnis ist eine Politik, die Siedlungen in Erklärungen verurteilt, aber wirtschaftlich vertieft. Der bilaterale Handel zwischen EU und Israel erreichte 2023 46,8 Milliarden Euro, was die EU zum größten Handelspartner Israels macht.
Der Wahl-Test im November
Palästinensische Wahlen sind für November 2026 angekündigt, die ersten seit 2006. Die Quelle deutet an, dass diese Wahlen zu einem Referendum über die PA-Strategie werden, international getriebene Reformen im Austausch für Überleben zu akzeptieren. Wenn die Gegner der PA, ob von der Hamas, der Linken oder unabhängigen Listen, die Wahl als Ablehnung des Reform-für-Finanzierung-Pakts rahmen, könnte die Legitimität der Verwaltung weiter erodieren. Die israelische Regierung wird die Stimmabgabe in Ostjerusalem mit ziemlicher Sicherheit einschränken, wie bei jeder vorangegangenen Wahl, was den Prozess und das Ergebnis verkompliziert.
Für europäische Diplomaten stellt die Wahl ein Dilemma dar. Das Reformprogramm der PA zu unterstützen, birgt das Risiko, als Komplize bei der Verwaltung einer besatzungslosen Besatzung zu erscheinen. Unterstützung zu verweigern, riskiert den Kollaps der PA und ein Sicherheitsvakuum, das Israel direkt füllen würde. Die Quelle argumentiert, dass keine der Optionen das Kernproblem angeht: das Fehlen eines israelischen Friedenspartners und die Weigerung der internationalen Gemeinschaft, die Kostenrechnung zu ändern.
Was ein Sanktionierungsrahmen treffen könnte
Die Quelle schlägt konkrete Maßnahmen vor: Verbot von Siedlungsprodukten und -dienstleistungen auf europäischen Märkten, Ende des Rüstungshandels mit Israel, Aussetzung präferenzieller Abkommen, die an Menschenrechtsklauseln geknüpft sind. Diese Schritte, so das Argument, sollten durch israelische Politik ausgelöst werden, Siedlungsausweitung, Annexionsschritte, Verweigerung palästinensischer Rechte, , nicht durch die Identität des Ministerpräsidenten. Die Unterscheidung ist wichtig. Sie verschiebt die Debatte von Personen auf Strukturen, von Netanjahu versus Eisenkot auf Besatzung versus Gleichheit.
Europäische Beamte räumen privat ein, dass der aktuelle Ansatz keine Zweistaatenlösung vorangebracht hat. Einige argumentieren, dass offene Kanäle zu Israel Einfluss bewahren. Andere entgegnen, dass Einfluss ohne Hebelwirkung Illusion ist. Das Europaparlament hat Resolutionen für ein Verbot von Siedlungsprodukten verabschiedet. Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass Siedlungsgüter gekennzeichnet werden müssen. Doch die politische Entscheidung, ein vollständiges Verbot durchzusetzen, steht aus.
Die regelbasierte Ordnung steht auf dem Spiel
Die Quelle rahmt das Problem in Begriffen, die in europäischen Hauptstädten Resonanz finden: die Glaubwürdigkeit der regelbasierten internationalen Ordnung. Wenn das IGH-Gutachten zur Illegalität der Besatzung folgenlos bleibt, wenn UN-Erklärungen als aspiratorisch statt als operational behandelt werden, dann verliert die rechtliche Architektur, die Europäer in anderen Kontexten, Ukraine, Südchinesisches Meer, Balkan, verteidigen, an Kohärenz. Das Argument lautet: Die Normalisierung der Besatzung untergräbt genau das System, das die EU zu verteidigen behauptet.
Sources
People mentioned
Gadi Eisenkot
Bezalel Smotrich
Yair Golan
Salam Fayyad
Organisations
European Union · European Commission · European Council · Palestinian Authority · International Court of Justice · United Nations