Die deutsche Polizei hat einen 48 Jahre alten Mann festgenommen, der im Verdacht steht, einen koordinierten Sabotage-Feldzug gegen das Stromübertragungsnetz in drei Bundesländern durchgeführt zu haben, wobei er mehr als 20 selbstgebaute Raketen und mindestens 21 Abschussvorrichtungen einsetzte, um leitfähigen Draht auf Hochspannungsleitungen nahe Braunkohlekraftwerken zu schießen. Der Verdächtige, ein Einwohner von Gevelsberg im südlichen Ruhrgebiet, wurde am Dienstag in der Nähe des Kraftwerks Weisweiler in Nordrhein-Westfalen festgenommen, nach einer einwöchigen Operation mit Hunderten von Beamten, Drohnen mit Wärmebildkameras und einer Suche, die bis in den Hambacher Forst ausgedehnt wurde, einen Wald, der lange von Klimaaktivisten besetzt war.

Angriffe in drei Bundesländern, drei Blöcke abgeschaltet

Der erste Angriff ereignete sich vor einer Woche nahe dem Kraftwerk Jänschwalde in Brandenburg. Laut dem Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz verursachten zwei Kurzschlüsse den Ausfall eines Kraftwerksblocks. Tage später wurden weitere Abschussvorrichtungen an mehreren Standorten in Nordrhein-Westfalen entdeckt. In Bergheim bei Köln funktionierten die Vorrichtungen wie vorgesehen: Mehrere Blöcke des RWE-Power-Kraftwerks wurden durch einen Kurzschluss für mehrere Tage abgeschaltet. Im östlichen Sachsen fanden Ermittler 21 Abschussvorrichtungen in der Nähe von Umspannwerken, wobei an den meisten Standorten kein Schaden verzeichnet wurde. Die drei betroffenen Bundesländer, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen, sind die einzigen, in denen noch Braunkohle abgebaut und zur Stromerzeugung verbrannt wird.

Das Ausmaß des Arsenals ist ungewöhnlich für Infrastruktursabotage in Deutschland. Die Polizei stellte mehr als 20 selbstgebaute Raketen und mindestens 21 Abschussplattformen sicher, sowie Sprengstoff bei der Person des Verdächtigen und ein Zelt mit zusätzlichen Sprengsätzen am Standort Weisweiler. Bei seiner Festnahme leistete der Mann keinen Widerstand. Autobahnpolizei entdeckte ihn auf einem Feldweg, hielt ihn an und nahm ihn fest; danach ging der Fall schnell voran. Am Montag wurde ein drittes Bekennerschreiben in Weisweiler gefunden, und am Abend beobachteten Beamte Blitze und Knalle, die mit der Kurzschlussmethode übereinstimmten, obwohl kein neuer Schaden bestätigt wurde.

Bekennerschreiben deuten Angriffe als Klimaschutzaktion

Mehrere Bekennerschreiben, die die Polizei für authentisch hält und dem Verdächtigen zuordnet, rechtfertigen die Angriffe als Kampf gegen fossile Brennstoffe. „Die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen", heißt es in einer Passage, die der Deutschen Presse-Agentur vorlag. Die Schreiben lenkten Ermittler auch zu bestimmten Orten. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bezeichnete die Serie als „Klimaterrorismus" eines Einzeltäters. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte, der Verdächtige „war immer noch unterwegs und wollte weitermachen. Dieses Spiel ist heute beendet worden." Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) nannte ihn einen „verirrten Einzeltäter" und versprach Konsequenzen für die Infrastruktursicherheit.

Einzeltäter-Einschätzung, doch Ermittlungen gehen weiter

Alle drei Minister betonten, dass die aktuellen Beweise auf einen einzelnen Täter hindeuten. Reul erklärte: „Derzeit spricht alles dafür, dass es ein Einzeltäter ist und alles aus seiner Hand." Das Brandenburger Polizeipräsidium sagte, dass keine Hinweise auf weitere Verdächtige aufgetaucht seien, was jedoch Teil der Ermittlungen bleibe. Die Staatsanwaltschaft Cottbus hat die Ermittlungen übernommen, da die erste Straftat in Brandenburg begangen wurde. Zu den geprüften Anklagepunkten gehören das Herbeiführen einer Sprengstoffdetonation und die Störung öffentlicher Versorgungsbetriebe.

Netz hielt, doch Schwachstellen stellen harte Fragen

Trotz der gezielten Natur der Angriffe brach das weitere Übertragungsnetz nicht zusammen. Die betroffenen Blöcke wurden durch Schutzsysteme vom Netz genommen, und die Betreiber bewältigten die Verluste ohne Kaskadenausfälle. Dennoch offenbart der Vorfall eine Verwundbarkeit: Eine einzelne Person mit rudimentärer Raketentechnik und Kenntnis der Leitungsstrecken konnte wiederholt Erzeugungskapazität über eine Spanne von 500 Kilometern außer Betrieb setzen. Die Bundesnetzagentur hat noch keine formelle Bewertung veröffentlicht, aber der Vorfall wird in die laufende Überprüfung physischer Sicherheitsstandards für kritische Energieinfrastruktur einfließen, ein Prozess, der nach der Sabotage der Nord-Stream-Pipeline 2022 beschleunigt wurde.

Politische Folgen und Sicherheitsüberprüfung

Die Sabotageserie kommt zu einem politisch sensiblen Zeitpunkt. Die Bundesregierung verhandelt die nächste Phase des Kohleausstiegs, wobei RWE sich bereit erklärt hat, die Schließung seiner rheinischen Braunkohleeinheiten auf 2030 vorzuziehen. Klimaaktivistengruppen haben in derselben Region wiederholt Besetzungen und Blockaden durchgeführt, obwohl Mainstream-Organisationen Gewalt verurteilen. Dobrindts Verwendung des Begriffs „Klimaterrorismus" signalisiert eine härtere rhetorische Linie, die die Debatte über die Polizeiarbeit bei Umweltprotesten beeinflussen könnte. Das Versprechen der Innenminister von „Konsequenzen" deutet auf gesetzgeberische oder regulatorische Änderungen zur Härtung von Netzstandorten hin, möglicherweise einschließlich erweiterter Polizeibefugnisse, obligatorischer Zäune und Sensorabdeckung sowie klarerer strafrechtlicher Sanktionen für Eingriffe in die Energieinfrastruktur.

Wie es weitergeht

Der Verdächtige bleibt in Haft, während die Staatsanwaltschaft Cottbus über Anklagen entscheidet. Die Bundesnetzagentur wird voraussichtlich innerhalb von Tagen ein Sicherheitsbulletin an alle vier Übertragungsnetzbetreiber, 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW, herausgeben, das wahrscheinlich erweiterte physische Inspektionen von Leitungstrassen nahe Kraftwerksstandorten empfiehlt. RWE und 50Hertz werden Vorfallsberichte einreichen, die die Reaktionen der Schutzsysteme detaillieren. Politisch wird die Innenministerkonferenz, die für Ende September geplant ist, über einen gemeinsamen Vorschlag für Mindestsicherheitsstandards an Umspannwerken und Freileitungsmasten diskutieren. Der erste konkrete Test neuer Maßnahmen wird sein, ob sie vor der winterlichen Heizsaison umgesetzt werden können, wenn Braunkohlekraftwerke typischerweise mit höherer Auslastung laufen und das Netz mit geringeren Reserven operiert.

Erwähnte Personen

  • Herbert Reul

    Interior Minister of North Rhine-Westphalia, NRW State Government

  • Jan Redmann

    Interior Minister of Brandenburg, Brandenburg State Government

  • Alexander Dobrindt

    Federal Interior Minister, German Federal Government

Organisationen

RWE Power · 50Hertz · Bundesnetzagentur · Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen · Staatsanwaltschaft Cottbus